Spitze Welpenzähne in Händen und Hosenbeinen – völlig normal, aber anstrengend. So baust du die Beißhemmung auf, ohne das Vertrauen deines Welpen zu verspielen.
Erst mal durchatmen: Beißen ist normal
Welpen erkunden die Welt mit dem Maul – so wie Kleinkinder alles anfassen. Dazu kommt der Zahnwechsel (etwa 4. bis 6. Monat), in dem das Kauen schlicht guttut. Dein Welpe ist also weder „dominant“ noch „aggressiv“, wenn er in deine Hände zwickt. Er hat nur noch nicht gelernt, wie vorsichtig er mit menschlicher Haut umgehen muss – genau das ist die Beißhemmung, und die kannst du trainieren.
Unter Wurfgeschwistern lernen Welpen das automatisch: Beißt einer zu fest, quietscht der andere und das Spiel stoppt. Diese Logik nutzt du auch im Training – nur konsequenter und ruhiger.
Der wirksamste Weg: Spielabbruch statt Strafe
Beißt dein Welpe zu fest, beende ruhig und sofort das Spiel: Hände weg, aufstehen, kurz abwenden oder den Raum für ein paar Sekunden verlassen. Keine Standpauke, kein Schnauzengriff, kein Anschreien – all das macht deinen Welpen entweder ängstlich oder heizt ihn weiter auf. Die Botschaft ist simpel: „Zähne auf Haut = das Spiel ist vorbei.“ Nach 10 bis 20 Sekunden geht es ruhig weiter.
Genauso wichtig: Gib den Zähnen ein legales Ziel. Ein Kauspielzeug, ein Zergel, eine gefüllte Kaumatte. Wenn dein Welpe in die Hand beißen will, bekommt er stattdessen das Spielzeug angeboten – und wird gefeiert, wenn er dort hineinbeißt.
Die häufigsten Fehler
Hände als Spielzeug benutzen (mit den Fingern vor der Welpennase wackeln), wildes Zergeln direkt an der Hand, hektisches Wegziehen (dann wird’s erst richtig spannend – Beutefang!), inkonsequente Regeln („bei Papa darf ich, bei Mama nicht“) und – der Klassiker – Training mit einem übermüdeten Welpen. Ein Welpe, der abends wie ein kleiner Hai durch die Wohnung fetzt, ist fast immer überreizt und braucht Schlaf, kein Spiel.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Wird das Beißen mit 5 bis 6 Monaten eher intensiver, richtet es sich gezielt gegen bestimmte Personen (oft Kinder) oder wirkt es nicht mehr verspielt, sondern gereizt – dann lass uns gemeinsam draufschauen, bevor sich das Muster festigt. Im Welpenkurs bei der Hundeschule Jacko in Eiselfing gehört die Beißhemmung fest zum Programm, und im Einzeltraining (auch mobil bei euch zuhause im Raum Wasserburg, Rosenheim und Mühldorf) finden wir die Ursache, wenn es hakt.
Schnellhilfe auf einen Blick
- Zähne auf Haut → Spiel sofort und ruhig beenden (10–20 Sek. Pause)
- Kauspielzeug als legale Alternative immer griffbereit
- Hände sind kein Spielzeug – niemals damit necken
- Auf ausreichend Schlaf achten (18–20 Std./Tag)
- Alle in der Familie ziehen an einem Strang
Doris Borowicz-Lichtmannegger
Zertifizierte Hundetrainerin (seit 2015, § 11 TierSchG), ehemalige tiermedizinische Fachangestellte und Inhaberin der Hundeschule Jacko in Eiselfing bei Wasserburg am Inn. Fragen zu diesem Thema? Melde dich gern – zur Kontaktseite.