Die ersten Wochen entscheiden: Warum die Prägephase so wertvoll ist, wann der ideale Start in den Welpenkurs ist – und woran du eine gute Welpenschule erkennst.
Die kurze Antwort: früher als die meisten denken
Sobald dein Welpe bei dir eingezogen ist und sich ein paar Tage eingelebt hat – meist ab der 9. bis 10. Lebenswoche – kann und sollte er in die Welpenschule. Voraussetzung ist die erste Impfung. Viele Halter warten aus Sorge vor Krankheiten, bis alle Impfungen abgeschlossen sind. Das ist gut gemeint, verschenkt aber die wertvollste Lernzeit im ganzen Hundeleben.
Zwischen der 8. und etwa der 16. Lebenswoche liegt die sogenannte Sozialisierungsphase (oft „Prägephase“ genannt). In dieser Zeit speichert dein Welpe ab, was normal und ungefährlich ist: fremde Menschen, andere Hunde, Kinder, Autos, Regenschirme, glatte Böden. Was er jetzt positiv kennenlernt, macht ihm später keine Angst. Was er verpasst, muss er später mühsam – manchmal nie ganz – aufholen.
Was eine gute Welpenschule ausmacht
Nicht jede Welpenstunde ist automatisch gut. Eine unkontrollierte „Welpen-Rauferei“, in der die Großen die Kleinen überrollen, schadet mehr, als sie nützt – dort lernen unsichere Welpen, dass andere Hunde bedrohlich sind, und Rambos lernen, dass Rücksichtslosigkeit funktioniert.
Achte deshalb auf: kleine Gruppen, eine Trainerin, die das Spiel aktiv begleitet und auch mal unterbricht, Ruhephasen zwischen den Spieleinheiten, kurze Lerneinheiten für die Menschen – und ein sicheres, eingezäuntes Gelände. Bei uns in Aham bei Eiselfing üben die Welpen auf 1000 m² eingezäuntem, beleuchtetem Platz; als zertifizierte Trainerin mit tiermedizinischem Hintergrund stelle ich die Spielgruppen bewusst nach Größe und Charakter zusammen.
Was dein Welpe im Kurs wirklich lernt
Im guten Welpenkurs geht es nur am Rande um „Sitz“ und „Platz“. Viel wichtiger: Dein Welpe lernt Hundesprache – wie man höflich Kontakt aufnimmt, Beschwichtigungssignale liest, ein „Nein“ eines anderen Hundes akzeptiert. Er sammelt positive Erfahrungen mit fremden Menschen und neuen Reizen. Und du lernst, deinen Welpen zu lesen: Wann ist er müde? Wann überdreht? Wie baue ich den Rückruf auf, bevor die Pubertät ihn auf die Probe stellt?
Dazu bekommst du Antworten auf die Alltagsfragen der ersten Monate: Stubenreinheit, Beißhemmung, Alleinbleiben, Schlafbedarf (ein Welpe braucht 18 bis 20 Stunden Ruhe am Tag – die meisten „Problemwelpen“ sind schlicht übermüdet).
Und wenn mein Welpe schon älter ist?
Keine Panik: Auch mit 5, 8 oder 12 Monaten ist Training sinnvoll und wirksam – dann meist als Junghundetraining oder Grunderziehung. Die Sozialisierungsphase ist ein Fenster, keine Tür, die zuschlägt. Es lohnt sich nur, sie zu nutzen, wenn sie offen steht. Bei uns ist der Einstieg in den Welpenkurs laufend möglich – du musst also nicht auf einen Kursstart warten, sondern kannst genau dann beginnen, wenn dein Welpe bereit ist.
Merkliste: Der ideale Start
- Einzug + wenige Tage Eingewöhnung, dann losstarten (ab ca. 9.–10. Woche)
- Erste Impfung sollte erfolgt sein – Impfpass mitbringen
- Kleine Gruppen und begleitetes Spiel sind wichtiger als „Action“
- Lieber 2–3 kurze positive Erlebnisse pro Woche als ein Marathon
- Müder Welpe ≠ glücklicher Welpe: auf ausreichend Schlaf achten
Doris Borowicz-Lichtmannegger
Zertifizierte Hundetrainerin (seit 2015, § 11 TierSchG), ehemalige tiermedizinische Fachangestellte und Inhaberin der Hundeschule Jacko in Eiselfing bei Wasserburg am Inn. Fragen zu diesem Thema? Melde dich gern – zur Kontaktseite.